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textkonstrukte | marc fritzlerTitelseite

büro für textarchitektur, münchen_ gestartet 2001_ texte für nachhaltige zukünfte

Büro.Arbeiten / 01 Positionen Sprache / 02 Positionen Typographie

positionen zur typographie

wie arbeitet textkonstrukte, welche grundsätze legt das büro an seine texte? in unregelmäßiger folge veröffentlichen wir unsere positionen. thema hier sind die „qualitätskriterien für gute typografie“.

Text_ Redaktion
Form_

Mit den im April 2006 publizierten „Qualitätskriterien für gute Typografie“ hat das Forum Typografie definiert, was hochwertige Typographie sein soll(te). Weitere Verbände tragen die Kriterien mit, darunter das deutsche Komitee des Type Directors Club of New York, der Bund Deutscher Grafik-Designer und die typographische gesellschaft münchen.

Inhaltlich ist das Dokument weitgehend geglückt; weniger geglückt sind hingegen Struktur und Sprache — Prägnanz, Eleganz sind den Qualitätskriterien fremd. Und: Die Autoren haben nicht bedacht, dass sich ein schlecht strukturierter Text typographisch nicht gut kleiden lässt. Eine Version 2.0 der Kriterien könnte diese Schwächen ausbügeln.

Das Forum Typografie hat Dritte aufgerufen, diese Kriterien in eigene Typo-Kreationen umzusetzen und zu verbreiten. Dem kommt textkonstrukte auf dieser Seite nach, ergänzt um inhaltliche Kommentare (die Rechtschreibung des Dokuments ist unverändert).

sie sollen von dem schriftsteller fordern,
dass er seine schrift wirklich stellt.
denn seine gedanken kommen zu ihnen
durch das auge — und nicht durch das ohr.

—El Lissitzky [1890–1941]

qualitätskriterien für gute typografie

Jede Kultur bedingt ein stetiges und hohes Qualitätsniveau der schöpferisch Tätigen. Dies gilt auch für die Typografie, zumal erst durch sie viele kulturelle Ausdrucksformen sichtbar werden.

Qualität ist somit ein essentieller Bestandteil des gemeinsamen Werteempfindens von Typografinnen und Typografen: Das ständige Streben nach hoher Qualität ist untrennbar mit ihrer beruflichen Identität verknüpft.

Typografierende verleihen ihren Erzeugnissen eine hohe Qualität, indem sie diese mit Eigenschaften und Merkmalen so gestalten, dass die Erfordernisse im Sinne

  • der gestellten Aufgaben,
  • der Betrachter,
  • des Produktnutzens sowie
  • der Inhaltsvermittlung

optimal erfüllt sind. Qualitätsvolle Typografie ist als Gesamtheit und in ihren Merkmalen überprüfbar und durch ihre Gestalter begründbar. Diese geben kompetente und verlässliche Auskünfte zu ihrem Metier.

Gut Typografierende halten ihre Fachkenntnisse, ihre Fertigkeiten sowie ihr gestalterisches Vermögen auf hohem und aktuellem Stand, z. B. durch Fachliteratur, Seminare, Internet und kollegialen Austausch.

/* Position von textkonstrukte: Sprachlich stolpert der Text vor sich hin, ihm fehlen Prägnanz und Charme; „Typografierende“ ist arg politisch korrekt; Abkürzungen wie „z. B.“ sehen im Fließtext nicht gut aus (und sind mit einem halben Zwischenraum zu setzen). */

grundverständnis

Qualitätsvolle Typografie setzt Kenntnisse und Fertigkeiten voraus, die zur Bewältigung jedes Gestaltungsauftrages notwendig sind: das gestalterische Verständnis zur Lösung der Aufgabe, die fachlich korrekte Umsetzung der gestellten Aufgabe, die optimale Ansprache der Zielgruppe(n) sowie die Fähigkeit, umfassend und kompetent zu beraten. Dazu gehören die Anforderungen:

  • den Sinn und Stellenwert der Aufgabe zu verstehen;
  • den Inhalt und seinen Charakter zu durchdringen und damit seine Beschaffenheit, Ordnungen sowie Kontexte zu erkennen;
  • produkt- und zielgruppenrelevante Rezeptionsgewohnheiten zu kennen und zu berücksichtigen;
  • bestehende Gestaltungsrichtlinien (Corporate Design) zu beachten und diszipliniert umzusetzen beziehungsweise weiterzuentwickeln;
  • der Aufgabe und ihrem Stellenwert gemäß verantwortungsvoll und wirtschaftlich zu arbeiten.

/* Position von textkonstrukte: Was fehlt, ist eine Banalität: Grafiker sollten die Texte, die sie optisch umsetzen, zuvor lesen, sonst können sie sie nicht „durchdringen“. Außerdem: Was tun, wenn Gestaltungsrichtlinien (Style-Guides) ein zu enges Korsett schnüren? Und: Spiegelstrichsätze am Ende eines Absatzes schwimmen in der Luft, hier fehlt ein uneingerückter Schlusspunkt. */

gestaltung

Qualitätsvolle Typografie verwendet die Gestaltungsmittel, die der Aufgabe, ihrem Inhalt und ihrer Zielgruppe(n) angemessen sind. Für die Festlegung der Gestaltungsmittel sind neben den Kenntnissen der Inhaltsvermittlung vor allem ein Streben nach dem Optimum an Ästhetik, Eigenständigkeit, Gestaltungs- und Schöpfungshöhe unerlässlich.

Stilkenntnis und Stilsicherheit zeigen sich in der Gestaltungskonzeption durch die Stimmigkeit und den Zusammenklang folgender Gestaltungsmittel:

  • einem Layout, das den Inhalten sowie dem technischen und atmosphärischen Umfeld gerecht wird und die inhaltlichen Gliederungen und Dramaturgien gestalterisch wiedergibt.
  • Formate, Formatlagen, Satz- und Bildspiegel, Spaltenanzahlen und -breiten.
  • einer Farbwahl und Festlegung eines Farbklimas unter Berücksichtigung von atmosphärischer und inhaltlich-konsistenter Leserführung sowie dem Zusammenklang mit Abbildungen und Bedruckstoffen.
  • einer Typografie, die die Auswahl und Anordnung von Bildern und grafischen Elementen treffend ergänzt und unterstützt.
  • einer fachlich richtigen Wahl, Mischung und Auszeichnung von Schriften unter typografischen, inhaltlichen und herstellungstechnischen Gesichtspunkten.
  • der Verwendung qualitätsvoll hergestellter Schriften mit vollständigen Zeichensätzen und Schriftschnitten, insbesondere von Kapitälchen und Minuskelziffern.
  • einem stimmigen stil-, schrift- und typografiegeschichtlichen Bezug und dem Streben nach einer zeitgemäßen Weiterentwicklung der visuellen Kultur.
  • einer Gesamtgestaltung, die primär auf das Produkt und seinen Gebrauch bezogen ist.

/* Position von textkonstrukte: Zu viele Punkte, die sich mitunter inhaltlich überschneiden. Die beiden letzten Punkte sind keine Gestaltungsmittel. */

funktion

Qualitätsvolle Typografie ist handwerklich korrekt und mit spezifischen mikrotypografischen Kenntnissen sorgfältig ausgeführt. Dabei werden die folgenden Punkte konsequent eingehalten:

  • Führung der Leserschaft mittels einer dem Inhalt folgenden Textgliederung durch schlüssige Schriftauszeichnung und Absatzkennzeichnung.
  • Lesbarkeit und Leserlichkeit der Texte durch Schriftanordnung, -wahl, -auszeichnung und angemessene Schriftgrößen.
  • Einhaltung mikrotypografischer Satzregeln in Bezug auf Satzbreiten, Buchstaben-, Wort- und Zeilenzwischenräume, Silbentrennung, den Ziffernausgleich und -gliederung.
  • Verwendung der fachlich richtigen Satzzeichen und eine konsequente Überwachung der richtigen Schreibungen, z. B. nach dem Duden.
  • Einsatz von fachlich richtigen Herstellungstechniken in Bildbearbeitung, Druck und buchbinderischer Ausstattung und Verarbeitung.

/* Position von textkonstrukte: Auch diese Punkte überschneiden sich, sie ließen sich zu drei zusammenfassen (Führung, Satzauszeichnung, Herstellung). Hier besonders auffällig: Die Qualitätskriterien sind vom Druck geprägt, sie definieren keine Mindestanforderungen für das Screen-(Web-)Design. */

gemeinsame erklärung

Das Streben nach einer hohen visuellen Qualität ist die gemeinsame Leidenschaft von Typografinnen und Typografen. Deshalb wird die Einhaltung dieser Kriterien von mehreren Fachverbänden unterstützt und ihren Mitglieder empfohlen.

Bei unserer Arbeit verwenden wir ausschließlich lizensierte Programme und Schriften. Die Bereitschaft mitzudenken und Verantwortung zu übernehmen prägt unser Tun.

/* Position von textkonstrukte: Hier waren offenbar ein paar Punkte noch unterzubringen. Besser: den ersten Absatz der Erklärung voranstellen und die beiden letzten Aspekte — ergänzt um weitere — in einem eigenen Punkt zur (gesellschaftlichen) Verantwortung aufgreifen; die Frage der Nachhaltigkeit von Typographie wäre interessant. */

Copyright (Dokument)_ Forum Typografie | www.forum-typografie.de

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Seiten.Kontexte
Meta.Daten
  • Titel_ Positionen zur Typographie
  • Autor_ Forum Typografie (Dokument), Marc Fritzler (Positionen)
  • Version_ 2014-11-02
  • U. R. I. _ textkonstrukte.de/buerobuch/seite_03_02.html
Seiten.Funktionen