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textkonstrukte | marc fritzlerTitelseite

büro für textarchitektur, münchen_ gestartet 2001_ texte für nachhaltige zukünfte

Büro.Kopf / 01 Bibliographie / 02 Biographie

biographischer auszug

wie kam es zur gründung von textkonstrukte im jahr 2001? das portrait des textarchitekten marc fritzler schildert die vorgeschichte(n).

Text_ Marc Frel
Form_

Wer gerne in den Kategorien genormter Schubladen denkt, dürfte Probleme haben, für Marc Fritzler eine passende Lade zu finden. „Vielleicht bedarf es einer neuen“, kommentiert der Journalist bei unserem Bürobesuch. Stereotypes Denken ist nicht seine Sache, doch was ist seine Sache? „Inhalte und Werte — oder: Sein statt Schein! Mein Werdegang sollte dies zeigen.“

Ein „Pseudo-Volontariat“ bei einem wöchentlichen Informationsdienst, daran anschließend ein Jahr der Aktenaussortiererei bei einer Versicherung stehen am Anfang seiner Laufbahn. Erst das 20. Lebensjahr absolviert, macht sich Fritzler 1988 als Journalist selbständig. In den ersten Jahren arbeitet er für eine alternative Wochenzeitung, das Münchner Stadtmagazin, die tageszeitung (taz) sowie einen Münchner Verlag. Ein Praktikum macht Fritzler in der Pressestelle der damaligen GRAEL-Fraktion im Europäischen Parlament vor der EP-Wahl 1989, seitdem hat er ein Faible für die Europapolitik.

manuskripte auf kohlepapier

Der berufliche Einschnitt folgt mit dem Zivildienst, geleistet in einem Münchner Krankenhaus. Die dortigen Nachtschichten sind für ihn nichts Neues, in den Jahren zuvor hatte er in frühen Morgenstunden häufig das Kohlepapier in die elektrische Schreibmaschine gespannt: „Jedes Manuskript habe ich damals mehrfach getippt, dann persönlich in den Redaktionen abgeliefert — oder auf der Post als Telefax aufgegeben, unvorstellbar heute.“ Nach 15monatigem Dienst für sein Mutterland arbeitet Fritzler zunächst ein Jahr lang für ein auf Öko-Themen spezialisiertes Redaktionsbüro, dann gründet er mit weiteren jungen Kreativen aus München eine Bürogemeinschaft unter dem schönen Namen A-Team.

Fünf Jahre „Kärrnerarbeit, um sich etwas aufzubauen“ folgen. Von 1993 bis 1998 ist er Chefredakteur des kleinen, vierteljährlich erscheinenden Magazins Unternehmen & Umwelt und Autor von rund einem Dutzend Sachbüchern zur Europa- und Umweltpolitik (siehe Bibliographie). „Zeitschrift, Buch, Zeitschrift, Buch — und dazwischen noch Artikel für natur, Ökologische Briefe und Blick durch die Wirtschaft, Seminare an der VHS und der kölner journalistenschule, Jury-Mitglied für einen Wettbewerb der Öko-Kommunikation, das alles noch ohne E-Mail und Web. Die 80-Stunden-Wochen waren nicht die Ausnahme“, erzählt Fritzler und räumt selbstkritisch ein: „Sinnvolle Grenzen fürs Arbeitspensum hatte ich mir nicht gelegt.“ Auch deshalb gelte für ihn heute: „Klasse statt Masse!“

wendezeit mit kohl

Im letzten Amtsjahr von Helmut Kohl fällt der Entschluss: Es wird Zeit, etwas zu ändern, auch beruflich. Wie viele Journalisten, die ihr Rentenkonto aufbessern wollen, wechselt er im Sommer 1998 Pferd und Rennstall — vom Journalismus in die Öffentlichkeitsarbeit, vom freiberuflichen ins angestellte Dasein. In der inhabergeführten Münchner MPC Agentur für Unternehmenskommunikation findet er „eine saubere Adresse“ in einer Branche, die ansonsten dafür bekannt ist, Journalisten von spinnerten Doktoren behandeln zu lassen.

Sein Thema bleibt die Umwelt: Texte, Konzepte und Ideen für Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen, eine Energie-Kampagne für ein Bundesministerium. Als Journalist habe er sich hier nicht verstanden: „Ich war PR-Schreiber! Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig und okay, wenn sie ihre Grenzen kennt, wenn sie sauber ist!“ Für sehr bedenklich hält er es, wie Grenzen selbst in Qualitätsmedien zerfließen.“

Doch der Ausflug in das PR-Gewerbe bleibt ein Intermezzo. Bevor das wichtigste „Kapital“ der Agentur — die Belegschaft — binnen kurzer Zeit zum zweiten Mal an einen neuen Eigentümer weitergereicht werden soll, entschließt sich Fritzler zum Rücksprung: „Für den neuen Eigner, eine große Holding aus Übersee, wollte ich nicht arbeiten.“

Was nun? Zurück in den Journalismus, genauer: den Online-Journalismus! Im Sommer 2001 kündigt er seinen Agentur-Job, die mündliche Zusage für eine Stelle in einer Online-Redaktion im Ohr, die schriftliche im Posteingang. Der Arbeitsvertrag ist da zwar noch nicht unterschrieben, aber das wird schon, denkt er sich, ist doch das Medienunternehmen, bei dem er anfangen will, potent und am Neuen Markt gelistet. Wozu gibt es schließlich die vielen Aufsichtsinstanzen im deutschen Finanzwesen? Da kann nichts schiefgehen — denkt er sich, noch.

sprung in der blase

Dummerweise hätte er sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt für den Rücksprung aussuchen können: Die dot.com-Blase beginnt jetzt zu platzen, 9/11 erledigt den Rest. Der Salto endet vorläufig mit einem Frontalaufschlag auf dem Boden der harten Fakten, nicht im Netz der Netze: Der Vertrag kommt nicht mehr zustande — dieser Schlag sitzt! Auf dotcomtod erfährt der Springer, dass er wie viele zu einem großen Zirkus gehört, domptiert von minderfähigen, dafür dennoch gut bezahlten Direktoren. Zumindest muss er sich nicht noch sorgen um die Zukunft der Pleite-Vorstände, sie bekommen ihre zweite Chance zum Schnäppchenpreis. „Während die Aktionäre einen Totalverlust verbuchen mussten“, liest Fritzler später bei der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, „bedienten sich die Verantwortlichen günstig an den wertvollen Teilen der Insolvenzmasse.“

Was jetzt? Durchatmen im luftleeren Raum, die Ruhe bewahren und die Gedanken sortieren — und Pläne zeichnen! Die Rauchschwaden hängen noch über dem Inferno in New York als er entscheidet: Kopfsprung in die Freiberuflichkeit, auch wenn das nicht so gedacht war und der erste Winter frostig werden dürfte. Mit den privaten Spartalern macht er sich mit nahtlosem Anschluss abermals aus dem Stand heraus selbständig. Auf öffentliche Gelder verzichtet er. „Dieses mäzenatische Verhalten“, fügt er an, „war aus heutiger Sicht einfach dumm.“

Doch diesmal soll es etwas anders laufen als in der ersten (1988/1990) oder der zweiten Phase (1992/1998) der Freiberuflichkeit: Das Konzept für die neuerliche Eigenständigkeit muss diesmal langfristig angelegt sein, Potenzial haben. Der Journalist sucht nach einem passenden Mantel, mit dem er auftreten will. Er findet ihn in textkonstrukte, registriert die Domain, meldet den Namen als Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt selbst an, ohne Markenanwalt. Der Name drücke sein Textverständnis aus, zumal interessiere er sich für den Konstruktivismus in der Kunst und Philosophie.

Unterbrechung, das Telefon meldet sich. „Entschuldigen Sie, wir müssen zum Ende kommen.“ Und die Jahre seit der Bürogründung im Oktober 2001? „Holen wir nach!“

Autor_ Marc Frel ist Alter Ego von Marc Fritzler und zeichnet verantwortlich für die Typographie und das Lektorat dieses Buches.

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Seiten.Kontexte
Meta.Daten
  • Titel_ Biographischer Auszug
  • Autor_ Marc Frel
  • Version_ 2014-11-02
  • U. R. I. _ textkonstrukte.de/buerobuch/seite_04_02.html
Seiten.Funktionen